Negatives

Xu Yong

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Unter dem Eindruck der Reformbestrebungen in der Sowjetunion und Osteuropa formierten sich auch in China im Frühjahr 1989 studentische Proteste. Zentraler Versammlungsort war der Tianʼanmen-Platz in Peking, der ab Mitte Mai dauerhaft besetzt wurde. Die wegen des Staatsbesuchs Gorbatschows zahlreich anwesende internationale Presse machte die Demokratiebewegung und ihre Forderungen weltweit bekannt.

Am 3. und 4. Juni schlug das chinesische Militär die Proteste gewaltsam und blutig nieder. Offizielle Zahlen über die Anzahl der Opfer existieren nicht, Schätzungen sprechen von 2.600 Toten und 7.000 Verletzten. Bis heute werden die Ereignisse, die in der westlichen Welt als „Tianʼanmen-Massaker“ bekannt wurden, im chinesischen Sprachgebrauch als „Zwischenfall vom 4. Juni“ verharmlost.

Der Fotograf Xu Yong, damals 35 Jahre alt, befand sich 1989 unter den Protestierenden und bannte mit seiner Kamera die tumulthaften Szenen auf Celluloid. 25 Jahre lang lagerten die Negative in Yongs Archiv, bis er sie 2014 in einem Buch veröffentlichte. Yong verzichtete auf eine Bearbeitung der Bilder. Das Buch reproduziert die farbverkehrten Negative; erst durch die Farbumkehr-Funktion des Handys oder Tablets lassen sich die Aufnahmen dechiffrieren. Yong liefert so einen gespenstischen und zugleich unverfälschten Blick auf die Ereignisse.

Bis heute verhindern die chinesischen Zensurbehörden den Vertrieb des Buches. Nur wenige Exemplare haben ihren Weg ins Ausland gefunden, die meisten wurden vom chinesischen Zoll vernichtet. Die vom Verlag Kettler herausgegebene Neuauflage trägt diesem Umstand Rechnung und macht das Buch endlich für ein breites Publikum verfügbar.

48,00 €
inkl. MwSt. + Versandkosten

Herausgeber

Martin Rendel & Cathrine Cheng, K26 Sino-German Art Association, Beijing, Markus Schaden, ThePhotoBookMuseum, Cologne, Richard Reisen, Verlag Kettler, Dortmund

Sprache

Englisch

ISBN

978-3-86206-529-5

Seiten

72

Format

30,5 × 24,5 cm

Einband

Fester Einband

Erschienen

November 2015