Der Fotograf Willy Römer 1887-1979

Auf den Strassen von Berlin

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Ausstellungskatalog ausgezeichnet mit dem Deutschen Fotobuchpreis 2005.

Willy Römer hat ein beeindruckendes Archiv von Fotografien hinterlassen und war doch als Fotograf bislang fast unbekannt. Obwohl einige seiner Aufnahmen vor allem aus den Revolutionsjahren 1918/19 Eingang in die Geschichtsbücher über das 20. Jahrhundert gefunden haben und darüber vielen Menschen bekannt sind, ist er als Urheber fast nie namentlich genannt worden. Das lag zum einen daran, dass er als indiviueller Bildautor hinter dem Namen seiner Firma “Photothek” verschwand, solange diese existierte. Zum anderen daran, dass viele jüngere Mitarbeiter von Redaktionen und Bildagenturen ihn nicht kannten oder glaubten, er sei wie so viele seiner Kollegen im Krieg oder kurz danach gestorben. “Was, sie leben noch? Wir haben doch schon vor vierzig Jahren aktuelle Bilder von Ihnen bezogen!” musste er sich sagen lassen, wenn er sich in Erinnerung brachte und auf Honorierung bestand. Sein Bildarchiv konnte vor allem deshalb bis heute gerettet werden, weil er selbst so alt wurde und den Bestand zusammenhielt. Der Nachlass des Fotografen Willy Römer und seiner Pressebildfirma Photothek umfasst die gesamte Geschichte der Weimarer Republik von der Novemberrevolution 1918 bis zum Reichstagsbrand 1933. In über 7.000 Aufnahmen sind die wesentlichen Repräsentanten der ersten deutschen Republik porträtiert. Die Firma Photothek Römer & Bernstein wurde eine der wichtigsten Pressebildfirmen der Weimarer Republik. Sie bestand von ihrer Gründung im Februar 1920 bis zu ihrer Schließung durch das NS-Regime am 30.09.1935. Die Firma war schon im April 1933 als „Judenfirma” denunziert worden, weil Walter Bernstein jüdischer Abstammung war. Der Ausstellungskatalog ist eine umfassende Werkschau und zeigt neben den Pressefotos von den großen politischen Ereignissen der wechselvollen Jahre von der Kaiserzeit bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges mit gleicher Gewichtung seine leiseren, stimmungsvollen, dokumentarischen Bilder vom Leben auf den Straßen seiner Heimatstadt Berlin. Die Fotos von Willy Römer, der im Handwerkermilieu am nördlichen Stadtrand Berlins aufgewachsen ist, erlauben uns heute einen faszinierenden Blick auf das alltägliche Leben und Arbeiten der Menschen in der Großstadt Berlin vor ihrer Zerstörung. Sein besonderes Interesse galt dem Leben auf den Straßen, den spielenden Kindern und fliegenden Händlern. In seinen Bildern offenbart sich eine Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen: Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts lief das Leben auf den Höfen und Gassen noch fast wie vor 600 Jahren ab. In den letzten Handwerksbetrieben wurden noch Nägel geschmiedet oder Wagenräder hergestellt wie vor Jahrhunderten. Häuser wurden noch Stein auf Stein gemauert wie im Mittelalter, gleichzeitig entstanden jedoch die ersten Plattenbauten und Hochhäuser aus Stahl und Glas. Römer hat beides fotografiert: den Abschied von den alten Produktions- und Lebensweisen und die Erscheinungen der neuen Zeit im Stadtbild der Metropole Berlin – Schnellbahnen, Leuchtreklame, Verkehrsregelungen, Telefon und Radio, Flugzeuge und Zeppelin-Luftschiffe.

36,00 €
incl. VAT plus shipping costs

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Edited by

Prof. Dr. Diethart Kerbs

ISBN

978-3-935019-31-4

Pages/Illustrations

398 / 314

Format

245 × 305 mm

Cover

fester Einband

Published in

October 2004