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Unser Architekturführer für das Ruhrgebiet


 

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MIGRATION AS AVANT-GARDE

Wir fragen Michael Danner, den Fotografen und Autor.

3 SÄTZE ZUM INHALT DES BUCHES
In meiner fotografischen Arbeit „Migration as Avant-Garde“ untersuche ich die neuen Wege, die Migranten in der Hoffnung auf ein besseres Leben beschreiten. Unter dem Einsatz der eigenen Unversehrtheit und angetrieben von der Sehnsucht ihrem Leben eine Perspektive zu geben, bringen sie neue Sichtweisen und Denkansätze mit in unsere Gesellschaft. Der Avantgarde-Begriff steht dabei für eine „Vorreiterrolle“ und die Idee des Fortschritts. 

3 SÄTZE ZUR GESCHICHTE HINTER DEM BUCH
Wir verlassen unseren Geburtsort um ein Studium aufzunehmen, für bessere Chancen im Berufsleben und manche Menschen verlassen ihr Heimatland um Bedrohungen oder Verfolgung zu entkommen. Migration und damit die Sehnsucht nach einem guten Leben, ist untrennbar verknüpft mit dem Menschsein. In Migration as Avant-Garde mache ich die Vielschichtigkeit der Thematik sichtbar, schaffe mit Archivbildern und Zitaten der politischen Philosophin Hannah Arendt eine Verbindung zur Geschichte und stelle damit Fragen an den Betrachter, die an die eigene Lebenswelt und Identität anknüpft.

3 FÜR DICH INSPIRIERENDE BÜCHER IN DEINEM LEBEN
Einen prägenden Einfluss auf meinen künstlerischen Werdegang haben Paul Grahams Arbeiten und insbesondere das Buch New Europe von 1993 (mit einem Essay von Urs Stahel, Scalo). Er verknüpft Fotografien, die das kapitalistische System des gemeinsamen Wirtschaftsraums zeigen mit Bildern, die auf die Schattenseiten der europäischen Geschichte verweisen und hinterfragt so den „europäischen Traum“ eines integrierten Kontinents. Graham arbeitet in der Dokumentarischen Tradition der Fotografie, die gesellschaftliche Zustände hinterfragt und entwickelt das Genre gleichzeitig weiter: den tradierten Sehgewohnheiten setzt er eine innovative Bildsprache entgegen, er zeigt die Komplexität der vernetzten Welt ohne zu vereinfachen.

Wir fragen Anja Kaiser, die Grafikerin des Buches:
 
3 Sätze zum visuellen Konzept / Die Gestalterin trifft den Fotograf
Nach der intensiven gemeinsamen Sichtung von Michaels fotografischen Material und seinen bewegenden Erzählungen und Begegnungen, hat sich seine Auseinandersetzung für mich vor allem neu erschlossen mit dem Lesen des Essays "We Refugees" von Hannah Arendt, veröffentlicht im Januar 1943. Arendt schreibt darin » […] Unsere Identität wechselt so häufig, dass keiner herausfinden kann, wer wir eigentlich sind. […]«. Ihre Überlegungen zu einer Flüchtlingsfrage, die universell geworden ist, und die Überprüfung des Selbstverständnisses von Staaten, hat unsere Gespräche und die Überlegungen zur Narrations des Fotobuchs begleitet. Die Betonung eines permanenten Perspektivwechsels und Bruchs, der auf das Individuum und dessen Sehnsüchte verweist, aber am Ende besonders den Apparat und die damit einhergehenden Abschottungen und Grenzen unumgänglich ausbreitet, war uns wichtig. 

3 Sätze zur Gestaltung
Auf dem Cover prangt die Schrift Avant Garde und steht vermeintlich dualistisch dem Bild des provisorischen Zeltlagers gegenüber. Diese Schrift wurde ursprünglich für ein amerikanisches Kunst- und Politikmagazin in den 60er Jahren entwickelt und wurde unglaublich populär in den 70ern. Heute wird der Einsatz der konstruierten Grotesk im Gestaltungskanon oftmals kritisiert. Die Entscheidung diese Grotesk zu verwenden, steht stellvertretend für den Versuch eines Aufbruchs und der Rückgriff auf historische Überlegungen, die in unserer Gegenwart und zur Befragung der Demokratie eine absolute Dringlichkeit aufweisen. Alle typografischen Setzungen versuchen die theoretischen Überlegungen auch formal zu manifestieren. 

3 für dich inspirierende Bücher in deinem Leben
Im Moment blättere ich fast täglich im „Gay Areas Telephone Directory“, ursprünglich 1983 von Gay International Inc. veröffentlicht. Es handelt sich um ein exaktes Faksimile eines amerikanischen Telefonbuchs und bildet gleichzeitig ein Queer-Verzeichnis ab. Es enthält Inserate und Anzeigen für Unternehmen, von und für homosexuellen LGBTQ-Gemeinschaft, die zu dieser Zeit nur marginalisiert Sichtbarkeit erfahren haben. 
Meine Leidenschaft für Fotobücher wurde vor vielen Jahren durch die Arbeiten von Nan Goldin geweckt. Das liebevolle Portrait ihres persönlichen Umfelds und ihre erotischen, exzessiven, berührenden Bilder, denen sich aus meiner Sicht besonders intim in einem Buchformat genähert werden kann.